Der Brand von 1549

von Wolfgang Kampa

In einer Nacht, wahrscheinlich Anfang August des Jahres 1549, steckten Mitglieder der Bande von Sebastian Meppen alle Einbecker Landwehrtürme bis auf den roten Turm in Brand, um die Einbecker Bürger aus der Stadt zu locken. Der Plan gelang und die Bande konnte in die Stadt eindringen.

Dort legten sie abermals Feuer, dem in der gerade neu erbauten Stadt insgesamt 424 brauberechtigte Häuser und 164 Buden mit Scheunen und Hintergebäuden zum Opfer fielen. Betroffen war vor allem die Neustadt. Die Häger-, Bau-, Hullerser-, Backofen-, Altendorfer-, Benser-, und Papenstraße brannten nieder. Das Feuer breitete sich noch weiter aus und befiel auch Teile der Altstadt. Markt- und Knochenhauerstraße, die Heiligegeist-Gasse (heute Geiststraße) brannten ebenfalls. Ein Teil der Maschenstraße und einige Häuser auf dem Marktplatz wurden Opfer der Flammen.

Der Konrektor und Prediger Johann Schottelius hat die zweite große Brandkatastrophe der Stadt im Bäckergilden-Buch in einem Gedicht festgehalten:

»Nach tausend und fünfhundert Jarn als Christus war ein Mensch geborn,

Auch weiter neun und vierzig Jahr, ist Einbeck noch einmal fürwahr,

Von Meppen, der war ihr bös Feind, angesteckt, dass verbrannt seind

An die anderthalb tausend Haus.

Und hat derselbig Unfall troffen die Benserstraßen, auch der Pfaffen-

Die Hegerstraßen ist auch sammt. Der Baustraßen gar ausgebrannt.

Die Backofenstraße musste auch mit, die Hulderstraßen kundt bleiben nicht.

Die Altendorferstraß auch war sammt der heiligen Geistgasse gar,

Auch mit der Knochenheuerstraß ganz ausgebranndt ohn alle maß.

Die Maschenstraße mußt auch mit aus bis an der Nonnenschwestern Haus,

Und Rege über die andere Seit ist auch abgebrannt mit großem Leid,

Bis an Hermann Holtegel Haus, da dann das Feuer ist gelöscht aus.

Die Marktstraß kundt nicht bleiben stahn, bis an der Adensche Haus hinan,

Und ist garauf dem Markt gebrannt bis an Jobst Bensen Haus bekannt

Auch bis an Thiele Deckens Haus, da es gottlob ist gedämpfet aus.«

Wie beim ersten großen Brand von 1540 wurden von befreundeten Städten sofort Hilfslieferungen nach Einbeck geschickt. Die Stadt Braunschweig sandte am 14. August 1549 ein Rundschreiben an alle Hansestädte des sächsischen Bezirks, in dem Einbeck lag:

»…dat uth sunderliger Verhecknisse des Almechtigen de Ersamen und wisen Borgemester und Rath der Stadt Einbeck mit orer gemeinen Borgerschop sunth Anno 40, negist vergangen, nu tho twen Malen in groten merckligen unoverwintlichen Brantschaden gerade sin…mehr dan der Deil dersulven Stadt so temlich weder erbuwet gewesen, avermals, dat erbarmlich und schrecklich tho horen, im Fure tho nichte geworden sin…. So bidden wy einen jedern so mit dusser Schrift angelanget und ersocht wert, gar deinstlich und sitlich, Iuw Erbaren Wisheit willen sick solck erbarmlig Wesen laten bewegen, und densulven armen Vorbranten mit ohren milden Forderingen gunsiglen tho Sture komen, darmedevorbevorte Stadt wedder erbuwet und in borgerliche Zucht und Sede gebrocht werden moge…«

Die Zuwendung und Unterstützung, welche die Stadt aus Nah und Fern erhielt, reichte natürlich nicht aus, um einen solch immensen Schaden wieder auszugleichen. Einbeck war so geschwächt, dass die Stadt ihren immer noch wegen der großen Brandkatastrophe von 1540 währenden Kampf gegen Herzog Heinrich den Jüngeren aufgeben musste und kapitulierte.

Auch die Situation der Einbecker Gewerbetreibenden war mehr als schlecht. Viele Bürger mussten ihre Existenz von Neuem aufbauen, einige hatten allen Besitz verloren und andere verließen die Stadt für immer. Der wirtschaftliche Neuaufbau gestaltete sich schwierig, denn der Handel innerhalb der Hanse nahm zu dieser Zeit immer mehr ab. Nach dieser zweiten verheerenden Brandkatastrophe in wenigen Jahren war die Stadt so geschwächt, dass sie ihren früheren Glanz und Reichtum nicht mehr erreichen konnte.