Die Zeit der Cherusker

von Wolfgang Kampa

Um Christi Geburt wurde das Gebiet rechts und links der Weser bis zur Elbe, also große Teile des heutigen Niedersachsens, von dem germanischen Stamm der Cherusker bewohnt. Das traf auch für das Leinetal zu: »Vor zweitausend Jahren gehörte unser Thal zu dem Gebiete der Cherusker, welche ihre Wohnsitze um den Harz und in den benachbarten Gegenden hatten, leisteten den Römern auf ihren Eroberungszügen heftigen Widerstand.«

In der Einbecker Gegend gab es eine cheruskische Siedlung in der Nähe von Vogelbeck. Nachdem in der dortigen Gemarkung bereits seit vielen Jahren zahlreiche Oberflächenfunde gemacht wurden, führte man dort im Oktober 1933 eine Grabung durch und man fand 30 Zentimeter unter der Erdoberfläche viele Scherben, Reste von Mahlsteinen, Knochen und Holzkohle.

»Ein Fürst der Cherusker namens Hermann war es, welcher im Jahre neun nach Christo die Römer in der Gegend des Teutoburger Waldes so auf´s Haupt schlug, dass ihre Herrschaft im nordöstlichen Deutschland für immer zu Ende ging.«

Allerdings ist die Person »Hermann des Cheruskers« eine stilisierte Figur, die sich historisch an Armenius oder Arminius anlehnt. Er wurde um das Jahr 17 vor Christus als Sohn des Cherusker-Fürsten Segimer (Segimerus) geboren und gemeinsam mit seinem Bruder in Rom erzogen. Dort erhielt er die Bürgerrechte, wurde in den Ritterstand erhoben und nahm wahrscheinlich an verschiedenen römischen Feldzügen teil. Um 7 nach Christus kehrte er in seine germanische Heimat zurück.

Als der römische Statthalter Publius Quinctilius Varus mit Hilfe eines großen Heeres die besetzten germanischen Gebiete stärker unter römische Verwaltung bringen wollte, kam es zum Aufstand. Arminius gelang es, die verfeindeten Stämme der Cherusker, Ampsivarier, Angrivarier, Brukterer, Chatten und Marser zu einen. Als Kenner des römischen Militärs machte er sich dessen Kampfesweise zu nutze und als sich im Jahre 9 nach Christus drei römischen Legionen in langen Marschkolonnen einen Weg durch das unwegsame Gelände zurück zu ihrem Winterlager am Rhein bahnten lockte er sie in einen sorgsam geplanten Hinterhalt. Das berühmteste Ereignis in der langen germanisch –römischen Geschichte nahm seinen Lauf:

Immer wieder stürmten die Germanen aus dem Schutz des Waldes heraus und versuchte von der Seite her Breschen in die lange Kolonne von römischen Soldaten zu schlagen. Es gelang den Germanen, die römischen Truppen zu trennen. Die flüchtende römische Reiterei wurde eingeholt und vernichtet. Der Kampf mit den Legionen dauerte mehrere Tage und fast alle 20.000 römischen Soldaten wurden dabei getötet.

Rom war von den Germanen besiegt worden.

Der Ort der Schlacht wurde lange Zeit im Teutoburger Wald vermutet, befindet sich aber wahrscheinlich am Kalkrieser Berg zwischen Osnabrück und Bramsche.

Arminius festigte nach dem Sieg gegen die Römer seine Stellung und die Cherusker blieben mit einigen der Nachbarstämme verbündet. Offensichtlich strebte Arminius die Oberherrschaft über die Germanen an. Sein Führungsanspruch wurde aber nicht von allen Stammeshäuptlingen geteilt, so dass es die innergermanischen Konflikte sich weiter zuspitzten.

So kam es, dass Arminius 22 nach Christus von den eigenen Verwandten ermordet wurde. Doch die blutigen Auseinandersetzungen waren damit nicht beendet, sondern spitzten sich so zu, dass nach einigen Jahren das komplette cheruskische Fürstengeschlecht ausgestorben war. Die Cherusker baten Rom um Einsetzung eines Führers, worauf um das Jahr 47 Italicus eingesetzt wurde. Doch offenbar konnte auch er den Niedergang der Cherusker aufhalten, denn um das Jahr 95 schrieb Tacitus:

»Die Cherusker, die ostwärts neben den Chauken und Chatten wohnen, haben – von niemand zum Kampfe herausgefordert – allzu lange in erschlaffendem Frieden dahingelebt; das hatte mehr Annehmlichkeiten als Sicherheit zur Folge, weil man, von unbeherrschten und starken Nachbarn umringt, sich nur einer trügerischen Ruhe hingibt: wo das Faustrecht gilt, sind Selbstbeherrschung und Redlichkeit Privileg des Überlegenen. So heißen die einst als trefflich und rechtschaffen gerühmtem Cherusker jetzt Toren, die sich nicht zu helfen wissen; den siegreichen Chatten hat man ihr Waffenglück als höhere Weisheit ausgelegt. In den Zusammenbruch der Cherusker sind ihre Nachbarn, die Foser, mit hineingezogen worden; als Leidensgenossen sind sie jenen gleichgestellt. Während sie in glücklichen Tagen nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.«

In einem Vortrag im Jahre 1906 sagte Pastor Th. Wedekind aus Dassensen: »In langen Bürgerkriegen und vielen Kämpfen mit den Grenznachbarn, besonders mit den Katten oder Hessen, schmolz das Volk der Cherusker zusammen.«

Zum Weiterlesen klicken Sie »WEITER«: