Das alte Einbecker Bier

von Wolfgang Kampa

»Das Bier, das die Einbecker Bürger in ihren eigenen Häusern brauten, war von vortrefflicher Beschaffenheit.« Nach dem Einbeck seit dem Ende des 14. Jahrhunderts zur Hanse gehörte, vergrößerte sich der Anfangs eher geringe Anteil der Bierausfuhren erheblich.

Das berühmte Einbecker Bier wurde 1379 als Handelsware erwähnt. Ende des 14. Jahrhunderts wurde das Bier schon nach Hildesheim, Hannover und Lüneburg ausgeführt.

Allein die Stadt Braunschweig erhielt in den Jahren 1396 bis 1400 über 3500 Fässer Einbeckischen Bieres zu jeweils 380 Litern.

Nach dem damaligen Stadtarchivar, Prof. Dr. h. c. Wilhelm Feise gab es schon um das Jahr 1300 in Hamburg ein Einbecker Haus, in welchem das Einbecker Bier verkauft und ausgeschenkt wurde.

»Wer in Einbeck brauen wollte, musste das volle Bürgerrecht (Braurecht) besitzen und ein Brauhaus haben. Die übrigen Einwohner nannte man Bödener, diese zahlten geringere Abgaben als die Vollbürger.

Die Brauer bildeten in Einbeck keine besondere Gilde, sie sotten ihr Bier in ihren eigenen Häusern und benutzten dazu eine der dem Rate gehörenden Braupfannen, die ihnen auf 24 Stunden zur Verfügung gestellt wurde.

Das Brauen selbst führte einer der städtischen, auf die Brauordnung vereidigten Braumeister mit seinem Gehilfen aus. Das Bier lagerte dann in den großen, gewölbten Kellern der Häuser.«

Weil das Einbecker Bier so begehrt war, erhoben viele Städte bedeutende Zölle für ein- und durchgehende Lieferungen. Wegen der hohen Fracht- und Wegekosten stieg der Preis des Bieres zwar nicht unerheblich, »aber die Bürger der reichen Hansestädte konnten sich diesen Luxus wohl erlauben.«

Auch die Fürstenhäuser gehörten zu Großabnehmern des Einbecker Bieres.

Außer den Welfen ließen sich die Herzöge von Mecklenburg, die Landgrafen von Hessen, der Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, die Grafen von Schaumburg, die Herzöge von Bayern und Württemberg, König Christian I. von Dänemark sowie die Erzbischöfe von Mainz und die Bischöfe von Würzburg.

Mittlerweile wurde das Bier auch nach England, Norwegen, Russland Dänemark Schweden, in die Niederlande - selbst bis nach Jerusalem, , Kairo und Alexandria exportiert

Es gab zu dieser Zeit auch ein städtisches Brauhaus, in welchem der Stadtrat, der auch am Bierhandel beteiligt war, sein Bier braute. Die Bürger brauten in ihren eigenen Häusern.

Jedes brauberechtigte Haus hatte ein großes rundbogiges Tor, damit die Braupfanne hindurch passte.

»Dan obwol dieses Bier von Natur kalter Complexion unnd Art ist/ dennoch so fern es auffrichtig/ gut und unverfelschet/ ist es an Geschmack fast scherpff [scharf]/ gerade als ob es recht wol geschlieffen und gewetzet were,(also zu reden) ja eben das gute Einbeckische Bier selbst/ wetzet und treibet den Urin vom Menschen/ mit großem nutz, viel böses und ungesundes Dinges. Und ist sonderlich denen/ so wegen des Steins Weh und Schmerzen fühlen/ heil ist/ befindet. Dan dieses/ wie auch das Zerbster Bier/ die Urin viel hefftiger/ als von anderm Bier/ zum ausgang eilet und getrieben wird.«

Die Beschreibung des Einbecker Bieres beim Chronisten Letzner geht noch weiter, unter anderem bezeichnet er es mit den Buchstaben COS.

C wie Colorem, die Farbe; O wie Odorem, der Geruch und S wie Saporem, der Geschmack.

Ein Zeitgenosse Letzners, der Arzt Heinrich Knaust oder Knust, beschrieb das Einbecker Bier als »ein gesundes Getränk, weil es eine Mittel-Natur hat und nicht so sehr, wie andere Biere thun, den Leib der Menschen erhitzet. Und wiewohl dies Bier auch gut Nutriment giebt, dennoch werden die Leute nicht so gar feiste davon, gleich wie sie von andern Bieren wol werden. Das Bier dringet leicht durch und erregt den harn, von wegen seiner Substanz, die nicht so starck ist, und von wegen des Hopfen. So steiget das Bier auch einem nicht zu Kopfe, wie die anderen obgemeldeten Biere thun, und ist deshalb allen andern Bieren im Sommer vorzuziehen.«

Der Geschichtsschreiber Harland beschrieb im 19. Jahrhundert, wie das Bier bebraut wurde:

»1) Zu einem Gebraue des alten Einbecker Bieres nahm man zwei Drittel Gerstenmalz und ein Drittel Weizenmalz; gedarrtes Malz wurde, da das Bier gelb und klar war, nicht hinzugefügt.

2) Es war ein obergähriges Bier, aber von den jetzigen obergährigen Bieren sehr verschieden und daher weder dem Normalbiere, noch dem Weißbiere, noch dem Doppelbiere gleich. Untergährige oder sogenannte Bitterbiere kannte man damals noch nicht.

3) Es wurde nur im Winter, und zwar etwa von Martini bis spätestens zum 1.Mai gebraut. …

4) Da das Bier sich sehr lange hielt und weithin versandt wurde, so musste es nicht allein sehr malzhaltig, sondern auch stark gehopft sein. Der dazu erforderliche Hopfen wurde in hiesiger Gegend gewonnen. Daher erblickte man hier, besonders im Bornthale, an der Hube und am Altendorfer Berge eine Menge Hopfengärten. Aber auch die umliegenden Dörfer betrieben Hopfenbau und Hopfenhandel. Noch jetzt haben manche Gärten in der Umgegend den Namen Hopfengarten (Hoppgarten).

5) Man bediente sich bei dem Brauen sogenannter Kerbhölzer, wahrscheinlich um darnach genau zu messen, wie weit das Bier eingekocht und wann es gahr war.«

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