Einbeck im 16. Jahrhundert

von Wolfgang Kampa

In den frühen 20er Jahren kam die Reformation in unsere Region. Sieben Jahre später wurde Einbeck eine evangelische Stadt. Gleichzeitig kam »aus Engelande … eine neue, unerhörete, auch in diesen Landen zuvor unbekandte Kranckheit, die Engelische Schweissucht genandt.« Die 30er Jahre des 16. Jahrhunderts waren geprägt vom Streit zwischen katholischem und evangelischen Ritus. Zu dieser Zeit müssen in Einbeck chaotische Zustände geherrscht haben. Der Religionskonflikt mündete in der Katastrophe des Stadtbrandes von 1540. Die reiche und einflussreiche mittelalterliche Stadt Einbeck wurde völlig zerstört.

Doch kaum hatten die Einbecker Bürger ihre Stadt wieder aufgebaut, wurde Einbeck neun Jahre später wieder von Mordbrennern heimgesucht. Hunderte der kurz zuvor neu erbauten Häuser wurden zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte noch im gleichen Jahr, doch die Stadt war jetzt noch mehr geschwächt als 1540. Viele Bürger hatten jetzt keine Rücklagen mehr, um sich eine neue Existenz aufzubauen.

Vergehen gegen die Stadtgesetze wurden im 16. Jahrhundert noch streng geahndet. Wer aus der Stadt verbannt wurde, durfte sich unter Androhung der Todesstrafe noch nicht einmal mehr den Stadttoren nähern. Als der Einbecker Bürger Hans Becker es trotz Verbot wagte, »biß ans Thor in das Thor heußlein zu gehen/ ist er ergriffen/ eingezogen/ un darnach ... entheuptet worde.« Zwei Jahre erlitt später Jost Schmidt das gleiche Schicksal, weil er nach seiner Verbannung »solches verachtet/ und den Herrn zu nahe getreten und getrotzet.«

1563 wurde Einbeck von einer »Theuerung« heimgesucht. Unter anderem stiegen die Hopfenpreise astronomisch in die Höhe, so dass »ihrer viel den Brauhandel haben müssen ligen lassen.«

Eine weitere schwere Prüfung für die Stadt war der Ausbruch der Pest im Jahre 1565. Die Seuche wütete ein Jahr lang und forderte nach Letzners Angaben 3000 Todesopfer in Einbeck. Ende der 70er Jahre brach die Pest zum zweiten Male aus. Dieses Mal gab es glücklicherweise nicht so viele Opfer, allerdings waren »sonderlich junge Leut in zimlicher Anzahl an der Pestilenz auffgangen.«

Doch es sollten noch weitere Unbillen über die Stadt kommen. In den 80er und 90er Jahren gab es nach Misserntern mehrere »theure Jahre«: »Das Malter Rocken« kostete »6 Gülden Müntz... So ist auch grosser mangel an Getrencke gewesen.«

1570 wurde eine Delegation von Einbecker Kaufleuten und Handwerkern auf dem Weg zur Leipziger Messe überfallen. Im Eichsfeld wurden sie »von etzlichen Wagehelfen und Schnapphanen gantz grimmiglich unnd feindlich angesprenget und ihres Geldes meisten theils beraubet.«

In Einbeck fanden nach Letzner auch » Wunder Geburdten« statt. Für das Jahr 1577 berichtet er von einem Kind, das » eine Fastnacht Larve am Angesicht gehabt und …anzusehen als der Calcunischen Hanen kopff… Anno 1584. hat eine Frau zu Einbeck …ein Hermaphroditum geborn, dessen Angesicht spitzig wie ein Helm und fast erschrecklich anzusehen gewesen.«

1581 ereignete sich auf dem »Oldendorffer Wall« ein schrecklicher Unfall, als es zu einem Rohrkrepierer an einem Geschütz kam. Der Zeugmeister und zwei Ladeschützen kamen dabei ums Leben.

Im Mai 1585 verunglückte ein Junge bei einem Unfall mit einem Pflug. Auf den Feldern von Lorentz Raven scheute ein Pferd , welches »den Jungen davon geschleiffet/ biß dieser darüber des Todes sein müssen.«

Anfang der 90er Jahre kam es bei Gelagen häufig zu Messerstechereien mit Todesfolge. Fast alle Täter konnten dabei unerkannt entkommen. Als am 26. Dezember 1592 Caspar Grotengießer »auff der Gasssen« seinen Mitbürger Arnold Metgen erstach, flüchtete er sich in die Stiftsfreiheit bei der Münsterkirche. Dort konnte ihm das Einbecker Stadtrecht nichts anhaben. Einige Tage später gelang es ihm, durch eines der Stadttore zu entkommen.

Angesichts der Vielzahl von schweren Schicksalsschlägen in nur wenigen Jahrzehnten schrieb Letzner in seiner Chronik: »Ja wie viel Menschen sind alleine nach dem letzten grossen Brantschaden durch die neue wolverdiente Straff und Seuche … vergifftet und verunreiniget? Darvon die Alten nichts gewust....Wir Teutschen sind leider Fürwitzig, dazu auch leichtfertig/ aber dabey nicht fürsichtig.«