Einbeck im 18. Jahrhundert

von Wolfgang Kampa

Nach den großen Stadtbränden im 16. Jahrhundert und den verheerenden Schäden des 30-jährigen Krieges befand sich die Stadt Einbeck wie viele andere deutsche Städte auch in einem desolaten Zustand. Allein von 1620 bis 1643 ging die Zahl der Häuser innerhalb der Stadt von 1177 auf 646 zurück, von denen auch noch 180 Gebäude Brandschäden aufwiesen oder nicht mehr bewohnt waren. Erst 1710 begann ein Wiederaufschwung in der Stadt, bis sich Einbeck um die Mitte des 18. Jahrhunderts wieder eines gewissen Wohlstandes erfreuen konnte.

Ein Teil der Lebensmittelversorgung wurde durch den Fischbestand im Krummen Wasser und der Ilme gesichert. In der Ilme fischte man unter anderem Hechte, Karpfen, Weißfische und Barsche. Im Krummen Wasser wurden Schmerlinge und Krimpen gefangen. Doch der Fischbestand ging bereits zu dieser Zeit immer mehr zurück. Das »Wildpret« rund um Einbeck bestand aus Hirschen , Rehen, Wildscheinen, Hasen und Geflügel. Seit 1740 wurde auch in Einbeck neben den traditionellen Feldfrüchten Weizen, Roggen, Gerste und »Haber« die vorher unbekannte »Cartuffel« angepflanzt und »für sehr vorteilhaft befunden.« Viehzucht wurde damals vornehmlich mit Hammelherden betrieben.

Weil die Stadt nur über wenige Quellen verfügte, bestand die hauptsächliche Wasserversorgung aus gegrabenen Brunnen und der Entnahme aus dem Krummen Wasser.

Die Stadt war in drei Bezirke, die so genannten »Kaspel« eingeteilt, deren Grenzen die heute nicht mehr vorhandenen Dreckgräben markierten. Im Jahre 1756 hatte die Stadt Einbeck insgesamt 1685 Gebäude. Davon waren 404 Brauhäuser und 350 Buden, also 754 Wohnhäuser mit und ohne Brauberechtigung, die sich durch die großen Torbögen unterschieden. Die Stadt hatte 5012 Einwohner. Das Verhältnis von Neugeborenen zu Sterbefällen verhielt sich 13: 10 und »4 Ehen ergeben durch die Bank 15 Kinder.« Die Kindersterblichkeit war mit einem Drittel der unter vier Jahre alten Kinder noch sehr hoch, wobei die Lebenserwartung stieg, denn drei Prozent der Einwohner war älter als 80 Jahre und zehn Prozent im Alter von 70 bis 80 Jahren.

»Der größte Teil der hiesigen Einwohner ist sehr haushälterisch und arbeitsam, kommt auch in allen dem, was der Luxus und die Mode endlich allen Menschen zur Notwendigkeit machet, aufs späteste nach.«

Nach einer von dem »Mathematicus Practicus« Wilhelm Koven durchgeführten Vermessung hatten die Ländereien der Stadt innerhalb der Landwehr eine Größe von fast 13.000 Morgen.

Die »Stadt-Obrigkeit« bestand aus zwei Bürgermeistern, einem »Syndicus« und sechs Senatoren. Einbeck besaß zu dieser Zeit eine Bürgerwehr, die aus sechs »Compagnien« bestand. Sie hatten die Aufgabe, im Angriffsfall Posten an Mauern und Toren zu beziehen, falls die Garnison abwesend wäre.

Innerhalb der Stadt und des Bereiches der Landwehr hatte der Magistrat die »völlige Ober- und Unter-Gerichte«. Ausnahme der städtischen Gerichtsbarkeit war die so genannte »Freiheit des Stiftes St. Alexandri.« Der Stiftsbereich umfasste »ohngefähr 1/15 des ganzen Raumes« der Stadt.

Die »große Stadtschule« bestand neben dem Direktor aus sechs Lehrkräften und zusätzlich für jeden der drei Stadtbezirke aus je einer »Lehr-Wase, von welchem die Mädchen im Lesen und im Christentum« unterrichtet wurden. Die 40-45 Kinder des Einbecker Waisenhauses wurden von einem weiteren »Praeceptor« (Lehrmeister) betreut.

Das Waisenhaus wurde von der damaligen königlichen Regierung unterhalten, wobei die Stadt Einbeck verschiedene Einrichtungen für die Versorgung der mittellosen Bevölkerung betrieb. Im Hospital St. Spiritus an der Geiststraße wurden »40-50 arme, elende und alte Personen« betreut. Im heute nicht mehr existierenden Armenhaus St. Bartholomäi befanden sich etwa ein Dutzend Personen. Die Kaufgilde betrieb das » kleine Armenhaus, worin 6-8 dieser elenden größtenteils ihren Lebensunterhalt finden.« Dazu kam die Kollekte der Stadtkirchen und der Münsterkirche, die jährlich eine Höhe von bis zu 1100 Talern ausmachte. Diese Summe bekamen ausschließlich die »Hausarmen, da öffentliche Bettler schlechterdings nicht geduldet werden«.

»An nützlichen Fabrikanten, als Zeugmachern, Posamentierern, Hutmachern, Tobakspinnern« waren 91 Handwerksmeister mit 83 Gesellen und 24 Lehrlingen in der Stadt angesiedelt. Dazu kamen »58 Leinweber und Drellmacher.« Die Kauf- und Kramergilde betrieb 25 Geschäfte. Ein großer Wirtschaftszweig war das Schusterhandwerk: Über 100 Schuster und Schuhflicker hatten ihren Sitz in Einbeck. Dazu kamen 44 »Schlächter« und 51 Bäcker. Zusammen gerechnet gab es in Einbeck mehr als 500 Handwerksmeister.

Die Stadt Einbeck erfreute sich 1756 wieder eines gewissen Wohlstandes und die meisten Bürger hatten ihr Auskommen. Das sollte sich leider bereits noch im gleichen Jahr mit dem Ausbruch des 7-jährigen Krieges ändern. Einbeck wurde in der Folgezeit in die Kriegshandlungen verwickelt, von französischen Truppen besetzt, musste wie im 30-jährigen Krieg hohe Kontributionszahlungen entrichten und fünf Jahre später machtlos zusehen, wie ein großer Teil der Stadtbefestigung in die Luft gesprengt wurde.