Die Gründerzeit in Einbeck

von Wolfgang Kampa

Gründerzeit bezeichnet man die Zeit der wirtschaftlichen Blüte vom 19. Jahrhundert bis zum ersten Weltkrieg. In Einbeck wurden zu dieser Zeit die Stadtmauern abgetragen und die Stadt begann sich baulich in alle Richtungen auszudehnen. Allein bis 1902 wurden außerhalb der Stadtmauern 27 neue Straßen gebaut. Ende des 19. Jahrhunderts bekam die Stadt eine eigene Kanalisation und eine Wasserleitung.

Viele Straßen wurden neu gepflastert, eine Krankenkasse wurde eingerichtet, es wurde ein Elektrizitätswerk und ein Gaswerk gebaut. Einbeck befand sich auf dem Wege zu einer »Fabrikstadt«. Es siedelten sich viele neue Firmen in der Stadt an. Bekannte Unternehmen waren die Dampfbierbrauerei Domeier und Boden, das Versandhaus Stukenbrok und die Tapetenfabriken.

Der Einbecker Magistrat bestand in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Bürgermeister, zwei Senatoren und einem Verwaltungsjuristen, dem so genannten Syndikus. Das Amt des Syndikus wurde 1894 abgeschafft und seine Aufgaben wurden vom Bürgermeister und den zwei Senatoren übernommen.

Die Mitglieder des Magistrats wurden von zwölf Bürgervorstehern auf Lebenszeit gewählt, allerdings konnte man die Mitglieder des Magistrats nach zwölf Jahren »auf begründeten Antrag« in den Ruhestand versetzen lassen. Die Bürgervorsteher vertraten die Interessen der Stadt gegenüber dem Magistrat. Bürgervorsteher konnte jeder Einbecker mit Bürgerrecht über 25 Jahren werden. Zu dieser Zeit war nicht jeder Einbecker im Besitz des Bürgerrechtes weil der Erwerb desselben mit der Zahlung einer Gebühr verbunden war. Von 1844 bis 1912 hatte die Stadt Einbeck fünf Bürgermeister.

Wilhelm Claus von Uslar war bereits Bürgermeister, als Einbeck noch zum Königreich Hannover gehörte. 1845 wurde er zum 67. Bürgermeister der Stadt Einbeck ernannt. Acht Jahre lang hatte der gemäßigte Liberale das Amt als »interimistischer« Bürgermeister inne und wurde 1852 nach der Einführung der »neuen Städte-Ordnung« offiziell gewählt.

In einer öffentlichen Bekanntmachung der Einbecker Zeitung hieß es im Dezember 1853: »Zur Wahl der Bürgervorsteher für den ersten und fünften Wahldistrikt haben wir Termin auf den 23. d. M.….angesetzt und laden alle stimmfähigen Bürger, welchen übrigens noch eine besondere Vorladung zugehen wird, ein, sich zu der oben bemerkten Zeit präzise in dem hiesigen Rathause einzufinden, um ihre Stimmen durch verschlossene Stimmzettel persönlich abzugeben.«

Bürgermeister von Uslar wurde bei dieser Wahl bestätigt und blieb bis 1867 im Amt. Er lenkte die Geschicke der Stadt insgesamt 22 Jahre.

Die Stadtverwaltung im Alten Rathaus hatte zu dieser Zeit nur sehr wenige Mitarbeiter, so dass die oberen Stockwerke des Gebäudes als zusätzliche Schulräume für das Einbecker Technikum genutzt wurden.

Die weiteren Bürgermeister bis zum Ende der Kaiserzeit waren:

Julius Ludowieg 1868 bis 1879, Franz Grimsehl 1880 bis 1893, Paul Troje 1893 bis 1907 und

Gerhard W. Nedden 1907 bis 1918.