Die Sachsen

von Wolfgang Kampa

Anfang des dritten Jahrhunderts wanderte ein verwandter germanischer Stamm vom heutigen Schleswig-Holstein her in das Gebiet der Cherusker ein: die Sachsen: »Die zwangen die Cherusker und viele andere der kleinen Völkerstämme, ihrem Bunde beizutreten, - dem Sachsenbunde. Und der Name der Sachsen umfaßte bald alle Bewohner des nördlichen Deutschland von der Elbe bis zum Rhein, von der Nordsee bis zum Harz. Drei Landschaften umschloß dieses stattliche Gebiet: die der Westfalen, Ostfalen und Engern. In der letzteren liegt unser heutiger Kreis Einbeck.«

Im ersten Band seiner »Geschichte der Stadt Einbeck« (1853) schrieb der Einbecker Geschichtsforscher Heinrich Ludolph Harland:

»Die Cherusker mussten um das Jahr 88 oder 89 n Chr. große Striche ihres Landes den Katten und Langobarden überlassen und ihnen u. a. auch die hiesige Gegend und wahrscheinlich das ganze Land, welches zwischen Harz, Blankenburg, Braunschweig und Celle befindlich war, einräumen. Die Katten behaupteten sich bis in das fünfte Jahrhundert, wo sie den Thüringern und Sachsen wieder Platz machen und den Letztern auch das ganze Land, welches von der Aller bis Hannoversch-Münden belegen war, abtreten mussten. Von dieser Zeit an machte das Einbecker Thal einen Bestandteil des Landes der Sachsen aus, welches durch die Weser in die östliche und westliche Länderstrecke (saxonia orientalis et occidentalis) oder in Ostphalen und Westphalen eingetheilt wurde, der mittlere, durch Gebirge eingeengte Theil, der Engern hierzu wurde die hiesige Gegend gerechnet. Die Sachsen … hatten ihren Namen von den Messern, welche sie an der Seite trugen und welche von ihnen Sachs genannt wurden. …  Sie wohnten auf einzelnen Höfen und hatten ihre Leibeigenen um sich her versammelt; mehre Höfe bildeten eine Mark, mehre Marken einen Gau. Größere … Volksgemeinden hatten einen Landrichter, dessen Würde nach und nach erblich wurde und auf einem Hofe haftete, dessen Besitzer man Adeling nannte. Auf diese Weise gab es unter den Sachsen verschiedene Stände.«

Die Sachsen waren ein freies Volk, ein »Bauernvolk ohne Städte«. Grundsätzlich war jeder Sachse gemeinfrei. Es gab aber die Unterscheidung in Adelinge oder Edelinge (Adel), Frilinge (gemeinfreie Bauern) und Hörige (Leibeigene, Knechte).

Die sächsischen Frilinge (Freibürger) besaßen ein eigenes, vererbbares Grundstück, das »Allod«, bzw. »Od aller« (Gut). Das Haus des Frilings galt als heilige Freistätte und war unantastbar. Der Hausherr hatte dort die alleinige Verfügungsgewalt über sein Eigentum, seine Familie und seine Hörigen. Wälder, Flüsse und Seen gehörten aber zur »Almend« oder »Allmende« (Gemeingut) und konnten von jedermann nach Belieben genutzt werden. Steuern oder andere Abgaben gab es nicht. Die Grundstücke der Sachsen lagen meist verstreut. Jeweils 100 solcher »Klüfte« (Haushalte, bzw. Familien) bildeten eine »Mannie« oder »Hundrede« (Hundertschaft). Mehrere Mannien wurden zu einer Mark zusammengefasst und mehrere Marken bildeten einen Gau. An dessen Spitze stand der Gau-Graf der anfangs jährlich, später lebenslang gewählt wurde.

Vor dem Jahr 500 gab es im Altkreis Einbeck 14 Dörfer. Aus dieser Zeit stammen Ortschaften mit Endungen wie –thorp, -thrup (dorf), ithi, -ede und -stedt. Bis zum Jahr 800 entstanden weitere 49 Ansiedlungen, die man noch heute an den Endungen -husen (sen), heim und –rück erkennen kann.

Christliche Franken und heidnische Sachsen

Anfang des sechsten Jahrhunderts reichte das Stammesgebiet der Sachsen von der Elbe bis zum Rhein und von der Nordsee bis zur Eder. Im Westen grenzte ihr Gebiet an das der Franken, einem Königreich, das sich seit dem fünften Jahrhundert im weströmischen Reich bildete. Deren König Chlotar I. trat im Jahre 496 zum Christentum über. Das war ein entscheidendes geschichtliches Ereignis, denn so konnten sich die Franken »die für die Ausbreitung ihrer Herrschaft sehr wichtige Unterstützung der römisch-katholischen Geistlichkeit gegen die arianischen Westgoten und Burgunder« sichern und was noch wichtiger war, »die welthistorisch wichtige Verbindung zwischen dem fränkischen Königtum und der römischen Kirche« herstellen.

Die Gebiete der Sachsen und Franken waren durch keine großen Flüsse oder Höhenzüge getrennt, so dass es von beiden Seiten immer wieder zu Grenzübertritten kam. Zudem waren die beiden Völker durch Sprache, Sitten und Glauben getrennt, so dass Konflikte vorprogrammiert waren. Es kam zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen, die aber immer wieder durch Verhandlungen beendet wurden.

Mitte des achten Jahrhunderts hatte der Missionar Bonifatius die Stämme im Gebiet des heutigen Hessen und Thüringen zum Christentum bekehrt. Nur in Sachsen konnte das Christentum nicht Fuß fassen.

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