Die Geschichte der Stadt Einbeck

von Wolfgang Kampa

In und um Einbeck haben bis zur heutigen Zeit nacheinander etwa 400 Generationen gelebt. Die ersten Siedler, die sich in der Steinzeit rund um die spätere Stadt niederließen, lebten noch in primitiven Verhältnissen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelten sie sich zu Stammesverbänden, die in kleinen Dörfern in gemeinschaftlich genutzten Hütten wohnten und Ackerbau und Viehzucht betrieben. Um die Zeitenwende (Christi Geburt) wurde das Leine- und Ilmetal von den Cheruskern bewohnt und im Übergang von der Antike zum frühen Mittelalter (um 400-500 n. Chr.) kamen durch die Völkerwanderung neue Siedler in die Einbecker Gegend.

Mit den Sachsen bekam der norddeutsche Landstrich seinen Namen, der sich in »Niedersachsen« bis heute erhalten hat. Erst verhältnismäßig spät (um 800) sagten sich die Sachsen von den germanischen Gottheiten ab und bekannten sich zum Christentum. In der Nähe von Kirchen und Klöstern wurden die ersten Marktflecken und Städte gegründet.

Während die Sachsen immer nur in Kriegszeiten einen Führer wählten, führte Karl der Große Herzöge als Herrscher über die Sachsen ein, die im neunten Jahrhundert mit den sächsischen Ottonen das deutsche Königtum begründeten.

Mindestens seit dem Jahr 1024 gab es einen Ort namens Einbeck, der von der Gründung der Stiftskirche St. Alexandri (um 1085) profitierte und sich schnell entwickelte. Im 13. Jahrhundert war die junge Stadt bereits von einer turmbewehrten Mauer umgeben und Herzog Heinrich I. von Braunschweig begann mit dem Bau einer neuen Stiftskirche, aus der die heutige Münsterkirche hervorgegangen ist.

Dieses Internetseite erzählt von der Entwicklung der Stadt Einbeck von der Steinzeit bis zur Gründerzeit. Nach Kapiteln geordnet finden sich die verschiedenen Epochen in der Geschichte der Stadt Einbeck wieder.

Über die frühe Geschichte Deutschlands gibt es kaum Aufzeichnungen. Karl der Große hatte zwar zu seinen Lebzeiten eine große Sammlung von sächsischen Schriften anlegen lassen, aber sein Sohn Ludwig der Fromme ließ im neunten Jahrhundert fast alle heidnischen Schriften vernichten. Schriftliche Überlieferungen existieren in ihrer Mehrzahl erst seit Einführung des Christentums – für Einbeck wäre das die Zeit der Udonen, dem ersten Grafengeschlecht im Einbecker Gebiet (um 990) und der Gründung des Alexanderstiftes im 11. Jahrhundert.

In Einbeck kann man für die Zeit der Entstehung der Stadt in der Regel nur durch archäologische Untersuchungen Rückschlüsse auf die Geschichte ziehen, da Einbeck im Jahre 1540 vollständig nieder brannte.

Was in diesem Fall einen Vorteil für Archäologen darstellt, indem sie die Brandschichten auf so genannte »Verlustfunde« untersuchen können, ist bezüglich der alten Unterlagen schlichtweg eine Katastrophe. Außer dem vom Feuer angesengten alten Rentenbuch der Stadt sind alle Aufzeichnungen verbrannt. Urkunden und andere Dokumente können nur aus den Städten und Klöstern im Umkreis herbeigezogen werden, in denen sie noch unversehrt oder in Abschriften vorhanden sind.

Einbecker Frühgeschichte

Vor 10.000 Jahren war das Gebiet des heutigen Niedersachsen noch von dichtem Urwald bedeckt und die Menschen streiften als Jäger und Sammler durch denselben, um ihren täglichen Lebensunterhalt zu sichern. Das taten sie noch einige tausend Jahre lang, bis es ähnlich wie in der heutigen Zeit zu einer Klimaveränderung kam. Die Ursachen waren zwar damals noch nicht vom Menschen gemacht, aber die Folgen waren so gewaltig, dass das Leben der Menschen sich von Grund auf veränderte.

An die Stelle des bisherigen feuchtwarmen Klimas trat eine Trockenperiode. Wie in allen anderen Landstrichen, lichteten sich auch im Leine- und Ilmetal die Wälder auf den Lößhängen und den Kalksteinanhöhen. Die klimatischen Vorraussetzungen hatten sich für die Menschen entscheidend verbessert. Von jetzt an wurden die Menschen sesshaft und siedelten sich an günstig gelegenen Orten an.

Durch diesen Klimawandel wurde das Neolithikum, so nennen Archäologen die jüngere Steinzeit, zum Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit, denn jetzt begann eine Entwicklung der planvollen Lebensmittelproduktion in den Siedlungen mit den dazugehörigen Feldern und Weiden. Das Leben von der Hand in den Mund gehörte der Vergangenheit an.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Stadt Einbeck ungefähr die gleiche Größe wie im Mittelalter. Erst danach begann die Stadt über die Stadtmauer hinaus zu wachsen. Dieses Wachstum geschah dann aber sehr schnell, so dass die Stadt Einbeck heute zum Teil kilometerweit über die ehemalige Stadtgrenze hinweg bebaut ist.

Im Nordosten von Einbeck entstanden schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts neue Straßenzüge und als das Gebiet 1993 weiter bebaut werden sollte, ließ die Stadt Einbeck eine archäologische Testgrabung durchführen. Dabei legte man ein jungsteinzeitliches Erdwerk frei, eine der frühesten Formen von menschlichen Siedlungen. Es handelt sich dabei meistens um eine ovale oder runde Siedlungsfläche, die von einem Wall und einem Graben umgeben wurde.
Somit war der Bereich südwestlich der »Teichen« an der heutigen Carl-Maria-von-Weber-Straße /Carl-Orff-Straße über den sehr langen Zeitraum von 7000 Jahren besiedelt. Nachdem das Areal mehr als 600 Jahre wüst lag, gehört es seit Ende des 20. Jahrhunderts wieder zum menschlichen Siedlungsraum.

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